Im Partnersprachen-Deutschunterricht der Première stand in diesem Schuljahr die bewegende Lektüre Der Vorleser von Bernhard Schlink im Mittelpunkt. Der Roman erzählt die Geschichte der Beziehung zwischen dem 15-jährigen Michael Berg und der 36-jährigen Hanna Schmitz. Erst später erfährt man, dass Hanna während der Zeit des Nationalsozialismus als KZ-Aufseherin tätig war und Mitverantwortung am Tod zahlreicher Frauen trägt.
Die Lektüre hat uns nicht nur literarisch beschäftigt, sondern auch emotional und moralisch herausgefordert. Der Text wirft grundlegende Fragen auf:
Kann man einen Menschen lieben, obwohl er schwere Verbrechen begangen hat?
Darf oder kann man solche Taten erklären – oder läuft man dabei Gefahr, sie zu relativieren?
Und macht man sich selbst schuldig, wenn man Verständnis empfindet?
Nach intensiven Diskussionen im Unterricht haben wir unseren Blick geweitet und uns dem Thema aus gesellschaftlicher Perspektive genähert:
Wie ist Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit den Verbrechen des Nationalsozialismus umgegangen? Welche Verantwortung trägt die Gesellschaft heute? Und welche Formen des Erinnerns und Gedenkens haben sich entwickelt?
Im Rahmen dieses Projekts setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Aspekten der deutschen Erinnerungskultur auseinander – etwa mit Gedenkstätten, Mahnmalen, Zeitzeugenberichten oder öffentlichen Debatten. Ihre Ergebnisse haben sie in informativen und reflektierten Podcasts aufbereitet.
Entstanden sind spannende Beiträge, die zeigen, wie vielfältig und lebendig Erinnerungskultur heute ist – und warum sie auch für junge Generationen von großer Bedeutung bleibt.
🎧 Hier könnt ihr die Podcasts anhören und euch selbst ein Bild machen.