
„Nationalismus war einmal modern!“, mit diesem Satz spannte der saarländische Finanzminister Jakob von Weizsäcker einen Bogen von den Anfängen des deutschen Nationalstaats bis zur Bedeutung der Europäischen Union in unserer Gegenwart. Was zu Beginn des 19. Jahrhunderts „hip“ war, führte, so von Weizsäcker, dann aber zu zwei schrecklichen Weltkriegen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen wurde die Europäischen Union gegründet. Und klar sei auch, dass der Nationalismus keine überzeugenden Antworten geben kann auf die aktuellen geopolitischen Herausforderungen.
Anlass der Begegnung zwischen Schüler*innen der Klassenstufe 11, sowie Vertreter*innen der Schülervertretung, Teilnehmende am Europäischen Jugendparlament und Steiger-KI und dem saarländischen Finanzminister war der Europa-Projekttag.
Von 2014 bis 2019 war von Weizsäcker selbst Mitglied des Europäischen Parlaments. Dort engagierte er sich insbesondere in der Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik und setzte sich für eine vertiefte europäische Integration ein. Dadurch kennt er die europäische Politik aus erster Hand und bringt umfassende internationale Erfahrung mit.
Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen dem Minister und den Schülerinnen und Schülern. Diese nutzten die Gelegenheit, Fragen zu aktuellen Themen wie einer europäischen Armee zur Verteidigung der EU-Außengrenzen, der Bekämpfung der Folgen des Iran-Krieges und der Rolle Europas in der Welt, in der die USA und China dominieren, zu stellen. Von Weizsäcker bot Lösungsansätze an, zeigte aber auch Herausforderungen auf, und machte den Jugendlichen Mut, sich aktiv einzubringen.
Der Besuch unterstrich eindrucksvoll die Bedeutung des Europa-Projekttags: nicht nur als symbolischer Anlass, sondern als gelebte Praxis des Austauschs und der Verständigung. Für die Schulgemeinschaft war es eine wertvolle Erfahrung, Politik aus erster Hand zu erleben und gleichzeitig zu erkennen, dass Europa auch im Klassenzimmer beginnt.
So bleibt der Europa-Projekttag am Deutsch-Französischen Gymnasium nicht nur in Erinnerung, sondern wirkt als Impuls für weiteres Engagement – im Kleinen wie im Großen, lokal wie europäisch.

