Literaturunterricht mal anders

Literaturunterricht muss nicht immer nach einem streng vorgegebenen Muster ablaufen. Schüler sind oft eher bereit große Leistungen zu erzielen, wenn man es schafft diese zu motivieren und deren Eigenständigkeit fördert. In der Unterrichtsreihe zu Gottfried Kellers berühmter Novelle „Kleider machen Leute“ wurde unter der Leitung von Herrn Müller, in der Klasse 8S1, der Versuch gewagt, eine offenere Form des Unterrichtes zu wählen.

Die Schüler sollten hierbei über einen Zeitraum von knapp sechs Wochen ein Portfolio zur Arbeit mit der Novelle erstellen. Die Schüler konnten dabei sowohl ihr Können als auch ihre Könnenserweiterung dokumentieren, die sie im Prozess der Erarbeitung erwarben. Dabei standen die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Schüler durch das Verfassen und Produzieren von inneren Monologen und Tagebucheinträgen, von eigenen szenischen Darbietungen, von Zeichnungen bis hin zum Modedesign im Fokus. Je nach Neigung, Talent und Interesse konnten die Schüler so am Ende jeder Stunde aus einem vielfältigen Aufgabensortiment wählen. Einzige Vorgabe: Es musste mindestens eine literarische Charakterisierung, ein innerer Monolog und ein künstlerisches Element Bestandteil des Portfolios sein.

Im Verlauf der Reihe kam es bei manchen Schülern zu einer derartigen Leistungsexplosion, dass sich die Schüler selbst von einer Seite kennenlernen konnten, die ihnen bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war. Deshalb wurden die herausragenden Produkte der Schüler auch zu einem Drittel in die Wertung der Klassenarbeit eingerechnet, sodass nicht bloß die Arbeit sondern auch der Lernprozess und die Kreativität der Schüler zur Endnote beitrugen.

Als Reihenabschluss wurde ein Elternabend einberufen. Auf diesem stellten die Schüler sich und ihren Eltern und Freunden ihre Arbeitsergebnisse vor. Um der Vielfalt Rechnung zu tragen wurden hier nicht nur Aufsätze vorgetragen sondern auch Kleiderdesigns präsentiert, Kurzvorträge über die Entwicklung der Mode vom 19. bis zum 21. Jahrhundert und die Bedeutung der Kutsche in der damaligen und heutigen Zeit eingestreut. Ebenfalls Bestandteil des bunten Abends war ein von den Schülern selbst entwickeltes kurzes Schauspiel zu einer Szene der Novelle und eine Bildpräsentation in Form einer Acrylmalerei.

Abschließend konnten Eltern und Schüler über Pro und Kontra dieser Art des Unterrichtes diskutieren. Sie kamen gemeinsam zu dem Schluss, dass sofern Aufwand und Ertrag in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen, die Nachhaltigkeit und die Freude im Umgang mit Literatur gestärkt und gefördert werden.

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